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Chest Pain Unit

Was ist eine Chest Pain Unit (CPU)?

„Chest Pain Unit” bedeutet „Brustschmerzeinheit”, also eine Notfalleinrichtung für Patienten mit unklarem Brustschmerz.

Anzeichen für einen Herzinfarkt

Plötzlich auftretende Brustschmerzen, die typischerweise mit Engegefühl („Angina pectoris”) und häufig auch mit anderen Symptomen, wie Atemnot, Kaltschweißigkeit und Schwindel verbunden sind, können auf einen akuten Herzinfarkt hinweisen und prinzipiell lebensbedrohlich sein.

Schwierigkeiten bei der Diagnose

Bei älteren Menschen und z. B. Patienten mit Diabetes mellitus sind die Beschwerden oft untypisch bzw. wenig ausgeprägt, so dass die Erkennung des Herzinfarkts gelegentlich nicht ganz einfach ist.

Auch so genannte Differentialdiagnosen, Erkrankungen also mit ähnlichen Symptomen wie beim Herzinfarkt, die aber andere Ursachen haben und ebenfalls gefährlich sein können (etwa die Lungenembolie oder Erkrankungen der Hauptschlagader, die so genannte „Aortendissektion”), müssen sicher ausgeschlossen werden.

Umgekehrt verbirgt sich auch hinter einem scheinbar „orthopädischen” Rückenschmerz nicht ganz selten ein Herzinfarkt oder eine der genannten Differentialdiagnosen.

Aufgabe der Chest Pain Unit

Hauptaufgabe einer Chest Pain Unit ist also eine schnelle und sichere Diagnostik einschließlich EKG, laborchemischer Tests und technischer Untersuchungen, um Herzinfarkte bzw. Differentialdiagnosen frühzeitig erkennen bzw. ausschließen zu können.

Was zeichnet die CPU aus?

Chest Pain Units müssen von Kardiologen geleitet werden und bilden mit der Kardiologischen Klinik (Herzkatheterlabor, Intensivmedizin) eine enge Funktionseinheit.

Integrierte CPU in der UMM

Bei typischen Beschwerden

Am Universitätsklinikum Mannheim arbeiten Zentrale Notaufnahme, Kardiologische Klinik und Notärzte seit vielen Jahren Hand in Hand, um Patienten mit akutem Brustschmerz optimal zu versorgen. Die gefährlichste Form des Herzinfarkts, der so genannte „ST-Hebungsinfarkt”, kann häufig bereits vom Notarzt diagnostiziert werden.

Diese Patienten werden entsprechend einer Vereinbarung mit der Leitstelle vom Notarzt direkt in das Herzkatheterlabor bzw. auf die Intensivstation der Kardiologischen Klinik gebracht, um eine schnellstmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Bei atypischen Beschwerden

Für alle anderen Patienten, die mit Brustschmerzen ins Universitätsklinikum gebracht werden, ist die Zentrale Notaufnahme erste Anlaufstelle. Hier wird von geschulten Ärzten und Pflegekräften eine gezielte Risikoeinschätzung durchgeführt, das heißt die Patienten werden nach einem standardisierten diagnostischen Schema einschließlich körperlicher Untersuchung, EKG, Labor, Röntgen, Ultraschall und ggf. Computertomographie oder Kernspintomographie einer Risikogruppe zugeordnet und je nach Verdachtsdiagnose stationär aufgenommen oder wieder entlassen.

Die ambulante Behandlung bzw. Entlassung aus der Notaufnahme ist häufig mit einer längeren Überwachungszeit verbunden, da erst bestimmte Kontrolluntersuchungen (Labor, EKG) eine ausreichende Entlassungssicherheit gewährleisten.

Eine Anlaufstelle für alle

Besonderes Merkmal der kardiologischen Notfallversorgung am Universitätsklinikum Mannheim ist das Modell einer „integrierten” Chest Pain Unit. Dies bedeutet, dass die Brustschmerzeinheit nicht außerhalb, sondern als integrierter Bestandteil in die Notaufnahme eingebunden ist. Hierdurch wird die Notaufnahme zur zentralen Anlaufstelle für kardiologische Notfallpatienten mit typischen oder, wie oben erläutert, atypischen Beschwerden. Das Modell trägt damit der beschriebenen Komplexität der Beschwerden Rechnung.

Zertifizierung der Zentralen Notaufnahme als CPU

Für den genannten Diagnose- und Behandlungsstandard in der Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz wurde das Notfall-Management der Zentralen Notaufnahme und der Kardiologischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim im Jahr 2008 als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als Chest Pain Unit zertifiziert.

Voraussetzung für die Zertifizierung war der Nachweis von räumlichen, personellen, technischen und organisatorischen Bedingungen nach den aktuellen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Wichtige Bedingung war ferner das Vorhalten einer 24-Stunden-Bereitschaft des Herzkatheterlabors. Spezialisten der Kardiologischen Klinik stehen rund um die Uhr bereit, um die Behandlung des oben genannten „ST-Hebungsinfarkts” mittels Herzkatheter jederzeit gewährleisten zu können. Im Dezember 2011 wurde die Chest Pain Unit rezertifiziert.