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METASTASIERTER DARMKREBS

Bluttest für individuelle Therapie

Darmkrebs ist geschlechterübergreifend die häufigste Krebserkrankung. Wird die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert, ist sie in vielen Fällen gut heilbar. Allerdings hat rund ein Viertel der Patienten schon zum Zeitpunkt der Diagnose Metastasen im Körper. Ein weiteres Fünftel entwickelt solche Tochtergeschwulste im Verlauf der Erkrankung.

Neue Behandlungsmöglichkeiten

Dann sind so genannte zielgerichtete Therapeutika das Mittel der Wahl: Diese setzen an bestimmten Strukturen von Krebszellen an, die sie charakteristisch von gesunden Körperzellen unterscheiden. Mit so genannten Biologicals erfolgt die Behandlung besonders zielgenau: Spezielle Antikörper greifen die Tumoren zum Beispiel an unverwechselbaren Veränderungen auf der Zelloberfläche an. Auch kleine Moleküle (small molecules), die in Zellen eindringen können, beeinflussen oder unterbinden gezielt wichtige Stoffwechselfunktionen in den Tumorzellen.

Durch ihre hohe Zielgenauigkeit unterscheiden sich die neuen Behandlungsmöglichkeiten deutlich von herkömmlichen Chemotherapien, die unterschiedslos alle schnell wachsenden Zellen angreifen und so auch viele gesunde Bausteine des Körpers schädigen. Daher sind zielgerichtete Therapien oft sehr gut wirksam und verträglich.

Therapieversagen verhindern

Unter dem „Selektionsdruck“ der neuen Therapien können sich Tumorzellen allerdings molekulargenetisch verändern. Dann entstehen Tochterzellen, die auf die ursprünglich wirksame Therapie nicht mehr ansprechen. Um rechtzeitig auf andere Behandlungsoptionen ausweichen zu können, ist es wichtig, diese Resistenzentwicklung und das damit einhergehende Therapieversagen frühzeitig zu erkennen. Hierfür mussten bisher in operativen Eingriffen Gewebeproben (Biopsien) aus den oft schlecht zugänglichen Primärtumoren und Metastasen entnommen werden.

Bei Dickdarmkrebs kann diese belastende Prozedur jetzt für Patienten der UMM entfallen: Dank des neuartigen Testsystems OncoBEAM ® genügt eine einfache Blutentnahme, um den so genannten Mutationsstatus metastasierter Darmtumoren zu bestimmen. So lässt sich schnell und sicher feststellen, ob bestimmte Therapeutika beim individuellen Erkrankungsstatus eines Patienten wirksam sind. Forscher des Instituts für Klinische Chemie (IKC) der UMM haben die neue Methodik in mehrjährigen Testreihen zusammen mit den Entwicklern validiert und zur Anwendungsreife beigetragen. Seit Sommer 2016 ist das neue OncoBEAM-Labor an der UMM als zweites Speziallabor in Deutschland im Regelbetrieb.

Tumor-DNA im Blut

Aus Krebsgeschwulsten gelangen ständig winzige Mengen von Tumor-DNA ins Blut. Bei Patienten mit metastasiertem Dickdarmtumor spürt OncoBEAM diese genetische Information des Krebses in der Blutprobe auf und prüft, ob bestimmte Gene des Tumors eine von 34 klinisch relevanten Mutationen aufweisen. Mit den Mannheimer Forschungsergebnissen konnte die Empfindlichkeit des Testverfahrens so weit optimiert werden, dass eine frühe und verbesserte Aussage über die individuelle Eignung einer zielgerichteten Antikörpertherapie möglich ist.

„Mit OncoBEAM finden wir schnell und zuverlässig heraus, ob der Tumor eines Patienten mit speziellen Antikörpern gegen den Wachstumsfaktor EGFR (Epidermal Growth Factor Rezeptor) behandelt werden kann“, erläutert Professor Dr. med. Michael Neumaier, Direktor des IKC, und ergänzt: „In etwa der Hälfte der metastasierten Dickdarmtumoren ist der von EGFR abhängige Stoffwechselweg nicht verändert. In diesem Fall wird die Antikörpertherapie wirken. Die andere Hälfte der Patienten leidet an Tumoren mit Mutationen in diesem Wachstumsfaktorweg, sodass wir auf andere Behandlungsmethoden zurückgreifen.“

„Das neue Laborverfahren ist für unsere Patienten deshalb so wichtig, weil es im Verlauf einer Antikörpertherapie durch den Selektionsdruck nahezu unweigerlich zu Resistenzen kommt“, berichtet Professor Dr. med. Ralf-Dieter Hofheinz, Leiter des Tagestherapiezentrums der UMM, und betont: „Je schneller wir diese Resistenzen entdecken und die Behandlung anpassen, desto größer sind die Überlebenschancen unserer Patienten.“

Kostenfrei für UMM-Patienten

Das OncoBEAM-Testverfahren ist bisher nur an wenigen Kliniken in Deutschland verfügbar. Die UMM ist derzeit das einzige Kompetenzzentrum in Süddeutschland und bietet den Test auch anderen Krankenhäusern und niedergelassenen Onkologen an. Die Kosten von rund 1.000 Euro werden allerdings von den gesetzlichen Krankenkassen aktuell noch nicht übernommen. Bisher stellt die UMM ihren eigenen Patienten daher das neue Testverfahren für eine personalisierte Krebsbehandlung kostenfrei zur Verfügung.

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Institut für Klinische Chemie (IKC)

Telefon 0621/383-2222
Telefax 0621/383-3819
E-Mail ikc@remove-this.umm.de

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OncoBeam
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