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Vorhofflimmern

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung des Menschen. Die Erkrankung nimmt in der Bevölkerung insgesamt und mit fortschreitendem Alter deutlich zu. Bei unter 50-Jährigen liegt die Häufigkeit bei unter einem Prozent, bei über 60-Jährigen bereits bei vier bis sechs Prozent und steigt bei den über 80-Jährigen auf neun bis 16 Prozent an. Insgesamt sind Männer häufiger betroffen.

Bei Vorhofflimmern kommt es zu einer chaotischen elektrischen Aktivierung aller Muskelzellen der beiden Herzvorkammern. Eine normale elektrische und regelmäßige Erregung des Herzens durch Impulse des herzeigenen Schrittmachers (sogenannter Sinusknoten) ist nicht mehr möglich.

Was verursacht Vorhofflimmern?

Die häufigsten Ursachen von Vorhofflimmern sind zugleich Erkrankungen, die in der Bevölkerung häufig vorhanden sind. Die arterielle Hypertonie und die koronare Herzerkrankung sind die wichtigsten Erkrankungen, die als Folgeerscheinung zu Herzrhythmusstörungen, häufig Vorhofflimmern, führen können. 

Alle Grunderkrankungen, die im Rahmen der Untersuchung eines Patienten mit Vorhofflimmern festgestellt werden, müssen konsequent behandelt werden. Neben der Behandlung der Erkrankung gehört auch die Vermeidung und/oder Behandlung der bekannten sogenannten kardiovaskulären Risikofaktoren dazu, die sowohl das Auftreten eines Bluthochdrucks als auch einer koronaren Herzerkrankung (Risiko eines Herzinfarktes) erhöhen können.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

  • Rauchen
  • Arterielle Hypertonie
  • Erhöhter Blutfettgehalt (Hyperlipidämie)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie, Gichterkrankung)
  • Bewegungsmangel
  • Das individuelle Risiko an einer koronaren Herzerkrankung zu erkranken, kann jeder mit Hilfe des sogenannten PROCAM-Scores abschätzen (Quelle: Kompetenznetz Herzinsuffizienz).

Häufige Ursachen für Vorhofflimmern:

  • Arterielle Hypertonie
  • Koronare Herzerkrankung
  • Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Angeborene Herzfehler
  • Lungenerkrankungen (z. B. chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
  • Lungenembolie
  • Kardiomyopathien (dilatative Kardiomyopathien, hypertrophe Kardiomyopathien)
  • Übermäßiger Alkoholkonsum

Seltene Ursachen für Vorhofflimmern:

  • Schilddrüsenerkrankungen (z. B. Hyperthyreose)
  • Akute oder abgelaufene Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
  • Akute oder abgelaufene Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Primäre Ionenkanalerkrankungen: primär elektrische und häufig familiäre Erkrankungen des Herzens mit einem Risiko für Vorhofflimmern, Synkopen und plötzlichen Herztod

Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?

Vorhofflimmern kann mittels EKG oder Ereignisrekorder festgestellt werden.

Wird Vorhofflimmern erstmalig festgestellt, muss zwingend eine Grunderkrankung des Herzens als Auslöser abgeklärt werden. Dazu wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchgeführt.

Zur weiteren Diagnosesicherung gehört im Einzelfall eine Herzkatheteruntersuchung im Herzkatheterlabor zum Ausschluss einer Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzerkrankung) oder eine Kernspintomographie des Herzens (u. a. Diagnose von Herzmuskelerkrankungen).

Welche Beschwerden kann Vorhofflimmern verursachen?

Patienten mit Vorhofflimmern beklagen häufig eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Außerdem berichten sie manchmal über Brustschmerzen (hier muss eine koronare Herzerkrankung ausgeschlossen werden), Schwindel und Luftnot. Nicht selten wird ein zu schneller Herzschlag unter körperlicher Belastung wahrgenommen.

Häufig treten die Beschwerden in Ruhe auf, manchmal im Schlaf. Außerdem gibt es viele Patienten, bei denen die Herzrhythmusstörung beim Sport auftritt. Es wird häufig berichtet, dass in der Anfangsphase der Erkrankung Vorhofflimmerphasen durch körperliche Belastung beendet werden können. Oft sind die Beschwerden zu Beginn einer Episode von Vorhofflimmern verstärkt. Hält sie länger an, gewöhnt sich der Patient nicht selten an den veränderten Herzschlag.

Zu beachten ist, dass allerdings bei mehr als 50 Prozent der Patienten das Vorhofflimmern keine bzw. praktische keine Beschwerden auslöst. Wenn die Rhythmusstörung länger anhält (mehr als 24 bis 48 Stunden) steigt das Risiko eines Blutgerinnsels, vor allem, wenn gleichzeitig kardiovaskuläre Risikofaktoren bestehen.

Therapie bei Vorhofflimmern

Die Therapie des Vorhofflimmerns richtet sich zunächst nach der Grunderkrankung.

Medikamentöse Therapie

Dies geschieht mit dem Ziel des Erhaltes eines normalen Herzschlages mit einem spezifischen Herzrhythmusmedikament (Antiarrhythmika) wie beispielsweise Flecainid, Propafenon, Sotalol oder Amiodaron (rhythmuserhaltende Therapie). Diese Therapie kommt nur für bestimmte Patienten in Frage und muss regelmäßig durch EKG-Kontrollen überwacht werden. 

Ist das Vorhofflimmern überwiegend vorhanden oder sogar chronisch und der Patient vor allem durch eine erhöhte Herzfrequenz belastet, ist das Ziel die Wahrung eines normal schnellen Herzschlages (60 bis 100 Schläge in der Minute) mit anderen Medikamenten wie beispielsweise Betablockern, bestimmten Calciumantagonisten und/oder Digitalispräparaten (pseudoregularisierende Therapie).

Elektrische Kardioversion von Vorhofflimmern

Gelingt es nicht, anhaltendes Vorhofflimmern durch Medikamente in einen normalen Sinusrhythmus zu überführen, besteht die Möglichkeit einer elektrischen Kardioversion. Dabei wird zunächst eine Kurznarkose eingeleitet. Anschließend wird von außen – über zwei auf den Brustkorb aufgeklebte oder mit Handgriffen gehaltene Elektroden – ein Elektroschock abgegeben.  

Die elektrische Aktivität des Herzens wird damit synchronisiert und der herzeigene Schrittmacher (Sinusknoten) kann wieder den regelmäßigen Herzschlag steuern (Sinusrhythmus). Häufig wird eine Vorbehandlung mit einem Antiarrhythmikum notwendig, welches nach der Kardioversion weiter eingenommen werden sollte.

Hybridtherapie

Patienten mit Vorhofflimmern haben oft auch eine verwandte Rhythmusstörung, das sogenannte Vorhofflattern. Teilweise tritt diese Rhythmusstörung sogar erstmals auf, nachdem Vorhofflimmern mit einem Antiarrhythmikum behandelt wird.

In einem solchen Fall bietet sich die Katheterbehandlung des Vorhofflatterns mit Verödung (Ablation) einer Muskelbrücke im Herzen (der sogenannten Isthmus im rechten Herzen) unter Fortführung der Medikamenteinnahme an. Danach kann das Vorhofflattern elektrisch nicht mehr über die Muskelbrücke laufen und meist tritt auch das Vorhofflimmern seltener auf.

Vorhofflimmerablation

Für diesen Eingriff sind zahlreiche Voruntersuchungen notwendig. Das Verfahren zur Verödung (also der elektrischen und nicht funktionellen Isolierung) der Pulmonalvenen mit Ballonkathetern ist in der Erprobung. Eine präzisere Steuerung der Verödungskatheter – mit beispielsweise der magnetischen Navigation – steht bevor.  

Die Vorhofflimmerablation stellt unverändert ein neues, weiterhin nicht risikoarmes Verfahren dar. Daher ist es derzeit vor allem dem mit ausgeprägten Beschwerden belasteten Patienten vorbehalten, bei dem das Vorhofflimmern anfallsweise auftritt, nicht chronisch ist und bekannte alternative Therapien bereits erfolglos angewandt wurden.

Kontextspalte


Ärztliche Leitung

Volker Liebe

Dr. med. Volker Liebe

Geschäftsführender Oberarzt
Leitung Elektrophysiologie
Leitung Arrhythmieambulanz